Die unterhaltsam erzählte Geschichte von A-Cinema – Teil 3

Das geht natürlich nicht. Niemand kann jemanden aus einer Hilfe ausschließen, nur weil dieser bestimmte undifferenzierte Vorgaben nicht erreicht.

Die BKM hatte nun aber leider mit ihrer Politik kleine Kinos von der digitalen Zukunft ausgeschlossen. Darum musste sich dann jemand kümmern.

Ein interessanter Aspekt an der ganzen Geschichte ist, dass jetzt immer versucht wird aus der Gegenwartsperspektive zu argumentieren, die gab es damals aber nicht:

ZUM DAMALIGEN ZEITPUNKT HAT DIE POLITIK KLEINE KINOS HÄNGEN LASSEN.

Intermezzo

Die BKM bezeichnete kleine Kinos als Drop-Outs, also Kinos, die nicht an einer huldvollen Förderung teilnehmen dürfen.

Wie bezeichnet man nun Leute, die in einer Förderung realitätsverneinend angeben, dass Verleihe nur noch DCI Kinos mit Filmen beliefern würden?

Wenn ich ein kleines Kino gehabt hätte, wäre ich nach so einer diskriminierenden Bezeichnung auf die Barrikaden gegangen, aber leider wiederholt sich hier meine Erfahrung von 1989 – Hauptsache, ich habe meinen Arsch im Trocknen.

Oh weh, wenn die Hollywoodverleiher sagen: ihr müsst das nutzen, was wir euch vorgeben, koste es euch, was es wolle, dann müssen wir auch schleunigst kriechen.

Und bei den Förderinstitutionen betteln.
Und für immer von der Gunst dieser Leute abhängig sein.

Feudalismus

Die unterhaltsam erzählte Geschichte von A-Cinema – Teil 1

Hollywood kommt im Heute an (ausser, dass sie Festplatten mit der Post schicken;-))

Die Digitalisierung in Kinos begann vor langer Zeit. Ich kann mich erinnern, meinen ersten digitalen Film 2003 erstellt zu haben – lange, lange Zeit nach den ersten digitalen Filmen – einen Rundgang durch einen Park in Barakaldo.

2007 tauchte dann die “Digital Cinema Initiative” auf, die versuchte, die etablierten digitalen Filmformate der Computerindustrie zu ersetzen durch ein neu entwickeltes Format der Unterhaltungsindustrie. Diese Formatkämpfe waren nichts neues. Neu war die Absolutheit des Anspruchs.

Diese Newcomer des digitalen Films ( “die Hollywoodkonzerne”) bestimmten Kraft ihres Contents die Pflicht zur Verwendung ihres Formats.
Bei der Entwicklung dieses Formats hatten sie ausschließlich Profitinteressen im Sinn, d.h. Kinos, die, ohne ihnen Gewinn abzuwerfen, spielen könnten, sind ihnen gar nicht in den Sinn gekommen.

Die Bundesregierung – in ihrer Manifestation, der BKM – hat diesem Anspruch ohne Not stattgegeben und ist einem aus ausschließlich wirtschaftlichem Interesse entwickelten Konzept gefolgt. Viele der Kinos in ihrem Verantwortungsbereich konnten der Entwicklung finanziell nicht folgen.

Eine der ersten Fragen, die sich dadurch stellte, war: Heisst es “Bundesbeauftragte für Kultur und Medien” oder doch eher: “Bundesbeauftragte für die Erhöhung des Profits von Hollywoodkonzernen” ? In den nächsten Beiträgen werde ich das konkreter begründen und ausführen.

Soforthilfeprogramm Kino

Interessant ist, dass plötzlich ganz schnell gehen soll, worauf ich vor 6 Jahren hingewiesen habe. Nun also doch keine Drop-Outs?

Ich überlege, nachdem ich höflich nachgefragt und keine Antwort erhalten haben werde, auf wessen Initiative dieses Soforthilfeprogramm entstanden ist, wieder das Informationsfreiheitsgesetz in Anspruch zu nehmen.

Mein Tip: der AG Kino

Zukunftsprogramm Kino – back to the past

Dann schauen wir doch mal, inwiefern folgende Bedingungen, die A-Cinema versucht haben abzuwürgen, in der neuen Förderung zutreffen werden (Antwort der FFA auf meine Beschwerde wegen der ausschließlichen Förderung des Hollywoodstandards DCI – 21.11.2014):

es sprachen insbesondere folgende Gründe dafür, keine Technik unterhalb des DCI-Standards zu fördern:

  • DCI ist mittlerweile internationaler wie europäischer Marktstandard, dies wurde uns auch von der Interessenvertretung der Filmkunsttheater, AG Kino, so mitgeteilt. Auch in ihrer Stellungnahme im Vorfeld des aktuelles Programms ging die AG Kino bei ihren Berechnungen stets von den Kosten einer DCI-Ausstattung aus, alternative Modelle wurden hier nicht einbezogen.
  • Es gibt bislang keine gleichwertige Technik, die ein gleich hohes Maß an Qualität und Sicherheit bietet (insbesondere auch mit Blick auf die Internetpiraterie).
  • Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit der Förderung:
    • Nur Kinos mit DCI-genormtem Equipment werden von den großen Verleihern beliefert  und sind somit  in der Lage,  ein Vollprogramm vom Blockbuster bis zum Arthouse-Film anbieten zu können und damit z.B. auch vollumfänglich zur kulturellen Grundversorgung in der Fläche beizutragen.
    • Das Förderprogramm soll gerade die großen Kosten des DCI-Standards auffangen und den kleinen Kinos damit den Anschluss an den Stand der großen Unternehmen ermöglichen. Wenn diese Kosten nicht anfallen, weil sich das Kino für eine deutlich günstigere Technik entscheidet (und somit sogar insgesamt weniger Kosten hat als bei DCI inklusive Förderung), dann stellt sich die Frage nach der Fördernotwendigkeit und der Bundesrelevanz, weil diese Kosten auch für kleine Kinos zumutbar sein dürften.

Was nun geschehen wird

Die Bundesregierung in Form der BKM wird natürlich um jeden Preis versuchen, die vorangegangenen Fehlentscheidungen begründbar zu machen. Das heisst: mehr Geld auf denselben Haufen.

Ich prophezeie an dieser Stelle eine Digitalisierung 2.0, Nachförderungen und abgelegte DCI-Anlagen für kleine Kinos.

Persönlich werde ich mich damit wohl nicht mehr auseinandersetzen – es ist müßig. Die Förderpersonen sollten ihre Erfahrungen selber machen (werden sie nicht)
Mehr drauf, immer feste, und da noch eine Million und dort noch, Hauptsache nicht nachdenken und vielleicht zu dem Resultat kommen, dass es Quatsch ist, was man da macht. Manche Dinge lassen sich nicht mit Geld steuern. Winke winke Neoliberalisten.

Wir werden unseren Weg gehen und wenn sich alles so entwickelt, wie ich es mir vorstelle, werden diese bisherigen Irrwege sowieso verlassen werden.

Nachtrag: Bingo! Jetzt melden sie sich schon bei den kleinen Kinos wegen der abgelegten DCI-Anlagen.

Zukunftsprogramm Kino

So sehr wir uns geehrt fühlen, dass im Koalitionsvertrag unsere Wünsche, Kinos in der Fläche in Zukunft zu unterstützen, beachtet worden sind, macht sich bei uns doch langsam Enttäuschung breit.

Ich selber hatte schon bezüglich A-Cinemas das Gefühl, dass bei diesem Thema Blinde von der Farbe reden ( im positiven Fall ) oder einfach manche entscheidenden Personen von den falschen Leuten beraten worden sind.

Leider scheint sich beim “Zukunftsprogramm Kino” ähnliches anzubahnen.

Nachtrag: Bingo.